Es ist nicht einfach, sich diesen Fotografien zu nähern, die Konrad Rufus Müller 1999 im Medizinhistorischen Museum der Berliner Charité aufgenommen hat. Unsere Blicke wandern über Hydrozephali (Wasserköpfe) und Anenzephali (Totgeburten ohne Großhirn), Wesen mit und ohne Menschenähnlichkeit, die uns mit blicklosen Augen aus Behältern mit Formalin-Glycerin anschauen. Sie sind Launen der Natur, mit ihrer vergilbten Haut und missgebildeten Körpern. Und doch schauen wir zurück, begegnen diesen Föten ratlos und mitfühlend. Wir erkennen innige Gesten dieser Kinder und die Tragik, die darin liegt, dass sie zuerst den Tod und nicht das Leben kannten.

Die moderne Medizin hat totgeborenen Föten scheinbar erst spät die Menschlichkeit zuerkannt: Noch im Jahre 1999 wurden sie einfach mit dem organischen Abfall verbrannt. Mittlerweile ist es möglich, sie zu bestatten. Konrad Rufus Müller hält uns mit seinen Bildern diese Kinder vor Augen und zeigt, dass es unser Blick ist, der die Kraft besitzt, ihre Erscheinung umzuformen – der kühne, der liebende Blick. Begleitet werden die 25 Fotografien von dem so berührenden wie aufschlussreichen Essay »Was ist Leben?« von Roger Willemsen.


Text von Roger Willemsen

96 Seiten

Halbleinen
25.5 x 31.5 cm

Deutsch

ISBN 978-3-95829-789-0
Erscheint 09/2020

€ 38.00 inkl. MwSt.
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