»Ich war und bin so erschüttert und fassungslos, kann gar nicht meine Gefühle beschreiben. [...] Mein Vater, meine Mutter, Walter und ich wurden im Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert. Die Männer und Kinder wurden von uns getrennt. Walter hat seine Kappe vergessen und ist zurückgekommen um sie zu holen, danach war er der letzte in der Reihe, hat sich umgedreht, gewinkt und gelächelt und das war das letzte Mal, dass meine Mutter und ich Walter gesehen haben.« – Siebzig Jahre lang glaubte die Shoa-Überlebende Grete Hamburg, ihr Bruder Walter Jungleib sei auf einem der Todesmärsche von Auschwitz umgekommen. Erst im Jahr 2015 konnte sie herausfinden, dass sich Walter unter den zwanzig Kindern befand, die am 20. April 1945 mit 18 anderen jüdischen Jungen und Mädchen im Keller einer Hamburger Schule auf barbarische Weise ermordet worden waren. An diesen Kindern – die jüngsten fünf, die ältesten zwölf Jahre alt – hatte der KZ-Arzt Kurt Heißmeyer monatelang pseudowissenschaftliche Experimente durchgeführt, sie mit Tuberkulose infiziert, ihnen die Lymphdrüsen herausoperiert. Kurz vor Kriegsende erhielt SS-Obersturmbannführer Arnold Strippel per Fernschreiben den Befehl, »die Abteilung Heißmeyer aufzulösen«, was nicht weniger hieß, als den Kindsmord einzuleiten und alle Beweise zu vernichten.

In jahrelanger Arbeit ist der Journalist Günther Schwarberg den Spuren der Kinder vom Bullenhuser Damm nachgegangen, hat Eltern und Geschwister ausfindig gemacht, die Tat und ihre Hintergründe bis ins Detail rekonstruiert. Zu seiner Recherche gehören auch die juristischen Nachspiele in der jungen BRD, die bis heute Fragen aufwerfen.


224 Seiten

gebunden
14 x 21.3 cm

Deutsch

ISBN 978-3-86930-837-1
1. Auflage 05/2016

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