Das Werk von Walter Schels entfaltet sich seit fast sieben Jahrzehnten zwischen Dokumentation und Transformation, zwischen formaler Strenge und Experimentierfreude. Bekannt geworden ist Schels vor allem als empathischer Porträtist: Mit seiner reduzierten Bildsprache erkundet er das Wesen seines Gegenübers. Egal ob Säugling oder Greis, Elefant oder verblühte Blume – im Zentrum seiner dokumentarischen Porträtserien und Langzeitstudien stehen existentielle Themen wie Identität, Geburt und Tod.
Wenig Beachtung fand hingegen bisher sein experimentelles Schaffen: Mit Übermalungen, Doppelbelichtungen, Collagen oder Polarisationen überschreitet er die Grenzen ins Malerische. Schels versteht Fotografie als offenen Prozess. »Ein Bild ist nie fertig«, sagt er – und meint damit nicht nur eine künstlerische Haltung, sondern den konkreten materiellen Vorgang: Im Rotlicht der Dunkelkammer, so Schels, erfahre er die Welt.
16° Fische führt erstmals beide Hälften seines Œuvres zusammen. Neben den Porträts präsentiert der Band experimentelle Entdeckungen, die den Blick auf den Fotografen Walter Schels vervollständigen – von transformierten Stadtansichten aus dem New York der 1960er-Jahre über Serien, die er selbst als »Abfallbilder« bezeichnet, bis hin zu aktuellen abstrakten Arbeiten mit Fotochemikalien und Pflanzenfragmenten.
Und wie die versammelten Arbeiten ist auch der Titel eine poetische Selbstverortung: Als Schels 1936 in Landshut geboren wurde, stand die Sonne im Tierkreiszeichen Fische – bei 16 Grad. Schels leitet aus dieser Konstellation die Grundzüge seines künstlerischen Temperaments ab: Sensibilität, Intuition, Fantasie und ein unerschöpfliches Interesse am Menschen.
Ausstellung: C/O Berlin, 19. Juni bis 2. September 2026
280 Seiten, 310 Abbildungen
Fester Einband / Halbleinen
24 x 29 cm
Deutsch / Englisch
ISBN 978-3-96999-559-4
Erscheint 06/2026
€ 50.00 inkl. MwSt.
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