"Seit ihrer Entstehung als Einzelwissenschaft trägt die Soziologie den Stempel der Restauration, der Wiederherstellung der Ordnung. Bereits bei Comte, dann vor allem bei Durkheim. Aber diese Wiederherstellung der Ordnung, bei Comte noch eindeutig gegen die bloß politischen Reorganisationsversuche der nachrevolutionären Phase der napoleonischen Herrschaft gerichtet, unterscheidet sich grundlegend von der politischen Restauration. Die Soziologie will ein naturwissenschaftlich geprägtes methodisches Instrumentarium der Tatsachenfeststellung entwickeln, um die gesetzmäßige ‚organische’ Grundlage dieser Ordnung zu bestimmen. Schon bei Comte wird deutlich: Wie weit auch gesellschaftliche Dynamik, Geschichte in die von positivem Geist gefärbte Theorie eingeht, am Ende steht ein absoluter Vorrang der gegebenen Ordnung.

Das gilt im Grunde auch für die Hegelsche Philosophie: Die sittliche Ordnung des Staates schließt den revolutionären Prozess, der das treibende Moment der Bewegung der Entwicklungsstufen des objektiven Geistes ist, ab; aber die Dialektik, das Bewegungszentrum dieses Prozesses, lässt sich mit dieser Ordnung nicht in gleicher Weise verbinden, wie die positivistisch-naturwissenschaftlichen Methoden. Sie treibt über ihren Zweck, Ordnung zu begründen, hinaus; bereits die Hegelsche Staatskonstruktion ist Resultat, ihre Substanzialität durch die antagonistischen Tendenzen der 'bürgerlichen Gesellschaft' vermittelt und gebrochen." Oskar Negt


176 pages

Hardback / Clothbound
14 x 21.3 cm

German

ISBN 978-3-86930-876-0
1. Edition 09/2016

€ 19.80 incl. VAT
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